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Wissens- und Wissenschaftskulturen

 

Unter den Begriffen Wissens- und Wissenschaftskulturen werden Projekte zusammengefasst, die ihre Aufmerksamkeit auf die Analyse wissenschaftlicher Erkenntnisproduktion im Zusammenspiel von sozialen Praktiken, sozio-kulturellen Deutungsmustern, Institutionen und materiellen Artefakten richten und die sozialen, kulturellen, künstlerischen, ökonomischen und politischen Voraussetzungen und Implikationen der Erkenntnisgenerierung ernst nehmen.

Durch den Kulturbegriff soll hervorgehoben werden, dass die Wissensproduktion nicht auf das strategische oder allein erkenntnisinteressierte Handeln einzelner Akteure reduziert werden kann. Stattdessen rücken die heterogenen, kultur- und fachspezifisch durchaus differenten Praktiken (etwa Praktiken des Austauschs, der Interpretation, der Messung, des Schreibens, der Metaphernwahl, des Aushandelns von Ergebnissen, etc.), deren gesellschaftliche Rahmung (Sozialformen, Ökonomie, Politik, Kunst etc.) und kulturelle Muster (Rituale, Performanzen, Symbole etc.) ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Ebenso geht es um die Frage den daran anschließenden Bewertungs-, Legitimierungs- und Verbreitungspraktiken des erzeugten Wissens.

Wissens- und Wissenschaftskulturen werden sowohl historisch als auch gegenwartsorientiert analysiert. Eine zentrale Rolle spielen dabei nicht nur die Kollektivität des Wissens, die impliziten "Denkstile" (Ludwik Fleck), diskursiven Praktiken sowie die impliziten symbolischen Wissensordnungen, sondern es wird auch nach den Macht- und Herrschaftsverhältnissen, feldsoziologischen Positionierungen, den Konflikten, Kontroversen, Diskontinuitäten und nach den fördernden oder behindernden institutionellen Strukturen gefragt.

Der Schwerpunkt Wissens- und Wissenschaftskulturen des Zentrums konzentriert sich auf Analysen in Gebieten der Sozial- und Geisteswissenschaften sowie der kulturwissenschaftlich orientierten Kunst- und Literaturwissenschaften. Damit einher geht auch ein interdisziplinärer Blick auf die Relation Wissen-Kunst, Kunst-Wissen.

Permanente Aktivitäten:

Spring School des DP "Soziologie und Geschichte der Sozial- und Kulturwissenschaften"

Buchreihe:

Aktuelle und klassische Sozial- und Kulturwissenschaftler|innen (Springer VS)

 

Aktuelle Projekte

 

Analyse des Ästhetischen und Ästhetik der Analyse: Georg Simmel in interdisziplinärer Perspektive

Internationales und interdisziplinäres Symposium am 15. und 16. November 2018

Susanne Knaller, Stephan Moebius

Der Fokus des Symposiums richtet sich nicht nur auf einzelne Essays Simmels über ästhetische Untersuchungsgegenstände als solche (wie etwa den Henkel oder Goethe) oder auf Studien zur Sozialität ästhetischer Praktiken. Vielmehr soll insbesondere die in Simmels Texten vorzufindende Verbindung bzw. Aufhebung zwischen Soziologie und Ästhetik thematisiert und seine "soziologische Ästhetik" (Lichtblau) herausgearbeitet werden, die sich etwa in seiner ästhetischen Schreibform oder in seinen zeitdiagnostischen Analysen zeigt. Das Besondere der soziologischen Ästhetik Simmels liegt darin, dass es ihr nicht um die Frage nach zeitlos gültigen Formen der ästhetischen Wahrnehmung geht, sondern um die Analyse der spezifisch modernen Formen und Fragmente ästhetischer Erfahrung, die sich auch über den engeren Bereich der Kunst bis hin zum Alltagsleben erstrecken (Großstadt, Schmuck, Mode).

 

Theater as Philosophical Enquiry: Aesthetics of the Sublime

Karoline Gritzner, Lise Meitner-Projektleiterin

This research project explores the ways in which the aesthetic idea of the sublime is embodied, negotiated, and transformed in selected examples of contemporary European drama and theatre practice. The research brings philosophical accounts of the sublime into play with the art of theatre with the aim of foregrounding the philosophical significance of artistic practice and aesthetic experience. The project explores what is distinctively theatrical and performative about the concept of the sublime and it examines how the dramaturgical practices of contemporary theatre allow us to rethink the possibilities of this aesthetic experience.

The hypothesis for this research is that theatre is an event of sensation and thought, and that it provides a distinctive spatio-temporal framework which enables a productive reassessment of the sublime and related questions about representation, appearance, desire, mimesis, and affect. Methodologically, the central aim of this project is to re-contextualise the sublime within the theatrical performing arts in an approach that examines dramaturgical practices as material forms of thought. This means that rather than conventionally philosophising about theatre, the project will identify ways of philosophising out of dramaturgical practices and theatre events, following a methodology of immanent aesthetic critique inspired by the work of Theodor W. Adorno and Alain Badiou. The aesthetic practices and events in question are selected dramatic texts and performances by major European theatre makers whose avant-garde theatrical styles enable a rethinking of human experience at some remove from the instrumental ‘means-ends’ logic of everyday life. This art of the theatre is concerned with the problem of the body and the possibilities of representation and expression at the limits of the theatrical frame. Specifically, the project focuses on the dramatic theatre by Howard Barker (UK) who calls his work a ‘theatre of catastrophe’, the radical directorial approaches and productions by Romeo Castellucci (Italy), the multi-media work of theatre and performance artist Jan Fabre (Belgium), and the poetic, feminist collaboration of Ariane Mnouchkine and Hélène Cixous (France). The focus on drama, theatre and performance represents a new shift of attention within the discourse of the sublime away from literature and the visual arts (where Romantic poetry, landscape painting, and conceptual art have been the traditional sites of sublime aesthetic experience) towards the performing arts. The project will explore how the art of theatre is capable of offering reconsiderations of foundational aesthetic ideas.

 

Fest wie Wasser, flüssig wie Eisen. Männlichkeiten in der deutschen und italienischen Literatur seit 1945

Dissertationsprojekt

Riccardo Schöfberger

Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten lassen sich bei der Darstellung von Männlichkeiten in Werken der deutschen und italienischen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart feststellen? In welche soziokulturellen Rahmenbedingungen sind diese Unterschiede und Ge­meinsamkeiten einzuschreiben und wie sind sie anhand von Gender-Konzepten zu erklären?  Das Dissertationsprojekt möchte zu einer innovativen Einbettung der Männlichkeitsforschung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft beitragen, indem unter Berück­sichtigung von aktuellen Perspektiven der Gender Studies eine komparatistische Analyse von lite­rarischen Männlichkeitsoppositionen durchgeführt wird. Gegenstand der Unter­suchung ist da­bei vor allem die Polarität zwischen der flüssigen, anschmiegsamen und verfüh­rerischen Natur einzelner Männerfiguren und der festen, soliden und unbeugsamen Beschaf­fenheit an­derer. Erkennbare Unterschiede zwischen dem deutschen und dem italienischen Kul­turraum können für die literaturwissenschaftliche Analyse aufgegriffen und kritisch reflek­tiert werden.

Die Frage nach der Beziehung von 'flüssigen' und 'festen' Männlichkeiten zueinander und nach ihrem Verhältnis zu den weiblichen Figuren kann den relationalen Konstruktionscharakter von Männlichkeiten und somit die Relevanz mann-männlicher und mann-weiblicher Bezie­hungen in der Konstitution literarischer Männlichkeitsmuster in Anschlag bringen. In die­sem Zusammenhang sollen auch sich einer Binarität entziehende Geschlechterarrangements be­trachtet werden, etwa durch die Auseinandersetzung mit der Darstellung von homosexuellen und Transgender-Männlichkeiten in Werken der deutschen und der italienischen Literatur.

Das Augenmerk der Dissertation ist primär auf die Text- und Kontextebene gerichtet, wobei konkrete literarische Figurenkonstellationen in ihrer narrativen und performativen Darstellung analysiert werden. Der Hintergrund des sozialen Kontextes spielt bei textanalytischen Fragen eine maßgebliche Rolle, da geschlechtliche Codierungen immer nur durch ihre Erschei­nung in soziokulturellen Geschlechterordnungen aussagekräftig werden. Dabei scheint es ziel­führend, auch diskurstheoretische und poststrukturalistische Perspektiven der Gender Studies sowie intertextuelle, kultursoziologische und mentalitätsgeschichtliche Ansätze geltend zu machen.

Kontakt

Zentrum für Kulturwissenschaften
Attemsgasse 25/II, 8010 Graz
Leiterin Ao. Univ.-Prof. Dr. Susanne Knaller Telefon:+43 (0)316 380 - 8091

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